Politik

Zum Beispiel Braunschweig: Der Traum vom eigenen Schloss

von str

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Einst stand in Braunschweig ein Schloss. Geblieben ist nur noch der Park. Die Innenstadt ist nicht weit entfernt. Der Park stellt somit eine wichtige innerstädtische Grünfläche dar.

Dennoch scheint es der Stadt vorteilhaft, den Park zu zu betonieren und ihn durch ein ECE-Center mit großem Parkplatzbedarf und einer historisch nachweisbaren Schlossfassade zu ersetzen. Denn die Stadt garantiert ECE bereits jetzt die Anmietung von Räumen für kommunale Einrichtungen.

Der Schlosspark Braunschweig nach ECE-Baubeginn, Jan. 05.
Der Schlosspark Braunschweig nach ECE-Baubeginn, Jan. 05. © kli

Um die Braunschweiger Innenstadt zu stärken, wäre es notwendig, die derzeit weitgehend brach liegenden Grundstücke zwischen Münzstraße und Bohlweg, Rathausvorplatz und Damm für Handel, Dienstleistungen und Kultur zu nutzen. Stattdessen plant die Stadt, die Rekonstruktion der Schlossfassaden zu finanzieren, obwohl sie die Eigentumsrechte an den Fassaden und den Freiflächen davor an die ECE abzugeben gedenkt.

Von zahlreichen Schlossbefürwortern wird behauptet, dass Braunschweig mit der Schlossrekonstruktion ein Stück Geschichte zurückbekäme und dass Braunschweig einfach eines Schlosses würdig sei. Um das lang ersehnte Prestigeobjekt „Braunschweiger Schloss“ endlich zu verwirklichen, wird ganz blauäugig in Kauf genommen, dass es sich hierbei um ein Schloss handeln wird, in dem Unterhosen und Socken verkauft werden und in dem es an Stelle des Jagdzimmers und des Schlafzimmers des Schlossherren einen Laden neben dem anderen geben wird.

Demnächst auch hinter Schlossfassaden: alles 70 % billiger.
Demnächst auch hinter Schlossfassaden: alles 70 % billiger. © Fotograf

Wer sich im Center befinden wird, der wird sich, das ist jawohl sicher, wie in einem Einkaufscenter und nicht wie in einer historischen Schlossanlage fühlen. Die Fassade schafft noch lange nicht den Ort. Für ein Einkaufscenter beginnen die eigene Geschichte und Tradition, wenn die Läden öffnen und beide enden bereits bei Ladenschluss und das täglich.

Denkmalschutz, Bau- und Kunstgeschichte interessieren bei einem ECE-Center mit Schlossfassade hingegen nur, insofern sie eine Verpackung ermöglichen, die das Center selbst bestmöglich an den Kunden bringt.

In Braunschweig hat sich vor allem der Bürgermeister als energischster Anwalt des ECE-Projektes „Schlosspark“ erwiesen. Doch die breite Unterstützung der Bevölkerung hatte er dabei gewiss nicht hinter sich. Es gab nämlich in Braunschweig durchaus den Antrag auf ein Bürgerbegehren. Aber die zu fragen, die es am meisten angeht - die Bürger, das kam dem Oberbürgermeister wohl nicht zu pass. Denn wer sich täglich auf der Straße umgehört hat, der hat in Braunschweig nicht einen Befürworter der ECE Ansiedlung angetroffen. Demokratie wird, so scheint’s, woanders als auf der Straße, als mit dem Volk betrieben und das ist gewiss nicht allein in Braunschweig so.