ECE: nun auch bald in Göttingen?
Einzelhandelsgutachten der GfK Prisma rät Göttingen zu einem ausstrahlungskräftigen Shopping-Center
von str
![]() |
| Reges Einkaufsleben in der Göttinger Altstadt - Januar 2005. © kli |
Das Nürnberger GfK Prisma Institut hat nun auch für Göttingen ein Gutachten erstellt. Am 7. Februar 2005 war es soweit. Geschäftsführer Eberhard Stegner gab nicht nur die gestrafften Ergebnisse des hundertseitigen kommunalen Einzelhandelskonzeptes preis. Vielmehr kam er gegenüber den Mitgliedern des Stadtrates, gegenüber Vertretern des Einzelhandels, vor rundum besetzten Ratssaalstühlen zu ganz bestimmten Empfehlungen. Wieder einmal, ganz genau wie in Hameln und anderen mittleren deutschen Städten, führte ein GfK Gutachten zu der Diagnose, dass es die „Etablierung eines auch überregional bedeutsamen Shopping-Centers ab einer Verkaufsfläche von 20.000 Quadratmetern“ sei, „dessen Ausstrahlung in die gesamte Region auch zusätzliche Kaufkraftzuflüsse für den Einzelhandel generieren und somit die Einzelhandelszentralität nachweisbar“ zu steigern vermöchte.
Links:
War nicht bereits vor Weihnachten in den Göttinger Printmedien die Rede davon, dass ECE seine Fühler nach dem mitten im Stadtzentrum liegenden, brachliegenden Stadtbad-Areal ausgestreckt hätte? Und entspricht nicht, was das Gutachten den Göttingern da anempfiehlt, um ihre nahezu in allen Sortimentsbereichen bereits hoch ausgestattete Innenstadt noch attraktiver zu machen, genau dem, was ECE zu bieten hat? Eine Erhöhung der bereits vorhandenen Verkaufsfläche und ihrer Sortimentsbereiche um noch einmal 20.000 Quadratmeter? An dieser Stelle sollte jeder Göttinger Bürger, dem das, was mit der eigenen Innenstadt passiert, am Herzen liegt, mehr als hellhörig werden. Und nicht nur der Göttinger Bürger, aber der im Moment besonders. Denn zum einen steht und fällt mit jeder einzelnen deutschen Altstadt all das, was Deutschland nicht allein in deutschen Köpfen an Stadtbildern wachruft. Und zum anderen sind es nun einmal im Moment gerade auch die Göttinger Bürger, die sich fragen sollten, welche ihrer Stadtpolitiker sich als ECE-verführbar erweisen könnten.
![]() |
| Leerstand in einem Göttinger Innenstadtcenter (Carré) - Januar 2005. © kli |
Das Gutachten geht davon aus, dass „kompetent besetzte und professionell gemanagte Center auch weiterhin relativ konjunkturunabhängig ihre Position am Markt behaupten und ausbauen können“. Was bedeutet das aber wirklich für den Einzelhandel im Ort, für sein Management, seine Position am Markt und seine Konjunktur? Und wer ist es eigentlich, der eine solche Entwicklung prägt und verantwortet? In wiefern liegt es an jedem Einzelnen, in wiefern die Zukunft einer Stadt vorhersehbar oder auch offen ist?
Und noch eine Frage: Wenn das Gutachten dazu rät, ein „aktives Leerstandsmanagement“ zu betreiben, um die Zentralität des Einzelhandels zu sichern, hält es den Einzelhandel dann nicht zu geradezu widersprüchlichen Aktivitäten an? Schließt die Erhöhung bereits vorhandener Warensortimente die Minderung von Leerständen nicht eher aus- als ein?

