Politik

Zum Beispiel Siegen: Tote Geschäfte, menschenleere Passagen, Plunder und Ramsch

von str

Als das Einkaufsleben noch in Ordnung war: Einkauf in Siegen vor ECE 1991.
Als das Einkaufsleben noch in Ordnung war: Einkauf in Siegen vor ECE 1991. © Erwin Wirz

Seit die Siegener Unterstadt ihr ECE-Center hat, kämpft die historische Oberstadt mehr denn je ums Überleben. Siegen, ebenso wie Bayreuth, Bautzen und andere, zeigen schon heute, wie es morgen jeder Stadt ergehen wird, in der ECE ein Center betreibt.

Im Stern vom 14.10.2004 war es zu lesen: „Buchhändler Nohl machte nach 55 Jahren Pleite, zuletzt waren nur 40 Kunden am Tag im Laden, sechs Jahre zuvor noch 200. Bäckermeister Koch schloss nach 25 Jahren zwei Läden in der Oberstadt, am Ende verkaufte er gerade noch 50 Gebäckstücke am Tag, Tausende waren es früher. (…) Ab und zu hängen nun Künstler Bilder in die Schaufenster, (…). Mietfreie Spontangalerien, damit die Welt der einsamen Scheiben nicht gar so trostlos aussieht. Im früheren Hettlage-Haus ist ein Rabattladen eingezogen. (…)“

Die Einzelhändler in Siegen hätten zu spät gemerkt, dass man sich auch gegen die „konsumfaulen Verbraucher“ wehren, dass man in der Krise auch eine Chance sehen und versuchen kann, selbst den Sinn für ein professionelles Marketing zu entwickeln anstatt auf ECE und deren Marketing zu warten.

Doch seit das ECE-Center in der Unterstadt zu immer neuen Leerständen in der historischen Oberstadt führt, haben sie sich dann doch noch gefunden: Menschen, die eine „Strukturoffensive“ ins Leben gerufen haben und nun versuchen in der Oberstadt mit viel Phantasie und Engagement etwas ins Leben zu rufen, was die Altstadt wieder belebt.

Siegen 1991, mit Hettlage: es war einmal.
Siegen 1991, mit Hettlage: es war einmal. © Erwin Wirz

Allerdings kommt die Idee genau wie die der ECE-Center aus Nordamerika. Dort gibt es sie bereits, die Alternative: die BID’s (Business Improvement Districts), und was sie bezeugen, das ist, dass der, der den Mut hat, sich als Kleiner mit anderen Kleinen zusammen zu tun, den Großen, von denen ECE einer ist, durchaus etwas entgegen zu setzen vermag. Das Prinzip ist das eines Vereins. Dieser wird von Immobilienbesitzern, Grundstücksinhabern und einzelnen Bürgern einer Stadt gegründet, um zuerst einmal gemeinsam ein schlüssiges Marketing-Konzept zu entwickeln und dann gemäß diesem ein stringentes Management des kommunalen Bereiches zu betreiben und auf diese Weise aus der eigenen Stadt das Beste und zwar zum Besten aller zu machen.

Was hier gefragt ist und das nicht nur in Siegen, dass sind Eigeninitiative und Einfallsreichtum: die einmal etwas andere Kulturveranstaltung, der einmal etwas andere Laden: So gibt es in Siegens Oberstadt die „Anziehbar“, in der in einem Wohnzimmer, in dem geraucht werden darf, von einem Studenten und einer Designerin Kleidung verkauft wird.

Was hier wieder zählt, sind nicht die Ketten, sondern Individualismus und Einzigartigkeit.