Politik

ECE in der Sparkasse?

von Nord von Lohebeeke

Sparkasse: Für dies Gebäude wurden 7,2 Mio. geboten
Sparkasse: Für dies Gebäude wurden 7,2 Mio. geboten. © kli

Die Diskussion um ein ECE-Center lässt Göttingen weiterhin nicht in Ruhe. Nach jüngsten Gerüchten ist es nun das Gebäude der Sparkasse Göttingen, für das ein Betreiber großer Shoppingcenter und Malls 7, 2 Millionen € geboten hat.

Gut zu verstehen, dass die Sparkasse ihr Gebäude am Carré, Ecke Weender Straße, Stumpfebiel, veräußern möchte. Sie möchte sich auf diese Weise auf einen einzigen Standort verlagern und konzentrieren. Ihre Mitarbeiter, die im Moment nahe dem Carré Verwaltungsarbeit für die Sparkasse leisten, könnten dies wirksamer und sinnvoller, indem sich die Arbeitsbereiche der Sparkasse an einer anderen Stelle konzentrieren würden. Soweit also ein sicherlich notwendiges und klug überlegtes Vorgehen der Sparkasse. Doch, was, wenn sie auf das Angebot eingeht? Der Göttinger Brief hat bereits in vielen seiner Artikel auf die Auswirkungen einer solchen Entscheidung für die Stadt Göttingen hingewiesen (Dichtung und Wahrheit).

Das Gebäude der Sparkasse bietet sich hervorragend als Tor zu einem Shopping-Center zwischen 25.000 und 30.000 qm2 an. Der Plan, in Göttingen ein Einkaufszentrum zu etablieren, das sich über das Stadtbadareal bis zur Staatsanwaltschaft und einem weiteren Gebäude ziehen soll, wurde bereits in der Diskussion um das brachliegende Gelände des alten Stadtbades offenbar. Wenn die Sparkasse ihr Gebäude einem diesem Plan anhängenden Investor vermacht, erweist sich das am Ende als keine gute Entscheidung. Hat nämlich solch ein Investor mit dem Sparkassengebäude sein erstes Standbein erst einmal in Göttingen und das mitten in der Göttinger Altstadt, dann sieht es, wie das Beispiel anderer Städte zeigt (Zum Beispiel Siegen), sehr bald schlecht aus mit dem regen Tages- und Nachtleben im Innenstadtbereich und damit auch mit der bestehenden, attraktiven Bausubstanz. Dem Einzelhandel und vor allem den alteingesessenen Fachgeschäften, die bisher mit ihrem Fachwerkambiente und städteeinmaligen Einkaufserlebnis noch viele Touristen in die Stadt ziehen, droht das Aus. Denn ein derartig großes Shopping Center vertragen die Läden der Innenstadt nicht. Viele der seit vielen Jahren mit Göttingen verbundenen Geschäfte würden alsbald schließen.

Das Stadtbadareal: schwer an den Mann zu bringen.
Das Stadtbadareal: schwer an den Mann zu bringen. © kli

Nur: Die Stadt selbst hat ein großes Interesse, endlich den „Ladenhüter“ Stadtbadareal an den Mann zu bringen. Und das ECE-freundliche Gutachten, das der Stadt Göttingen vorliegt, berücksichtigt weder den Flächenzuwachs des Kaufparkes noch das in der Kurzen Geismar entstehende Kaufland. Da ist die Gefahr gleich mehr als höchst real, dass sich manch Stadtpolitiker ein ECE-Center herbeiwünscht (Göttinger Stadtpolitiker).

Gefragt sind nun vor allem mutige und aufrichtige Stadtpolitiker, die solch Wahnsinn Einhalt gebieten und die Initiative der Göttinger Innenstadt, die Eröffnung eines Giga-Centers in der Göttinger Innenstadt zu verhindern, unterstützen. Hier lohnt ein Blick nach Kassel. Dessen ehemaliger Oberbürgermeister Lewandowski, CDU, wurde letztlich wegen seiner ECE-Freundlichkeit gestürzt. So sieht man Lewandowski Seite an Seite mit Alexander Otto (Vorsitzender der derzeitigen Geschäftsführung der ECE, jüngster Sohn des Unternehmensgründers Werner Otto) in der ECE dominierten Stiftung „Lebendige Stadt“. Auch auf der Expo Real, einer großen, jährlich stattfindenden Fachmesse lässt sich mancher gern von Shopping-Center-Investoren verwöhnen.

Trotz Lewandowskis großer Popularität hat im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahlen eine Printaktion (es wurden Flugblätter und eine Stadtinfo zum Thema Lewandowski und ECE gedruckt und verteilt) der Einzelhändler zu einem Bürgermeisterwechsel geführt. Lewandowskis Nachfolger Bertram Hilden, SPD, hat sich eindeutig gegen eine neue Erweiterung der bereits bestehenden ECE-Center in Kassel ausgesprochen. Er hat es bereits erkannt: Solch eine Shopping Mall kann bestimmt keine neuen Kaninchen aus dem Hut ziehen. Stattdessen verlagert sich das Innenstadtleben in einen neugeschaffenen Betonklotz, von dem nur einer profitiert. Und das ist nicht die Göttinger City mit ihren Menschen und Beschäftigten des Göttinger Handels.