Gebäck auf Brotmarken
![]() |
| Das Grüne Zimmer des Filmarchitekten Walter Haag, 1961. © Cron & Lanz |
Als Göttingen in den fünfziger Jahren Filmstadt war, war es der Filmarchitekt Walter Haag, 1959 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet, der die Innenräumlichkeiten umgestaltete und das ‚Grüne Zimmer’ im damals angesagten Russischgrün schuf. Andreas Grummes selbst sorgte unter anderem 1986 für eine der modernsten Backstuben und 1996 für das dem Konsumverhalten der 90er angepasste Bistro „Crönchen“, gleich hinter dem Verkaufsraum.
„Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich eine Rolle nehme und die Wand einfach überstreiche oder eine Fassade gestalte. Wir müssen nicht nur jammern. Wir müssen auch deutlich machen, dass wir mitgestalten, mitreden und mitwirken wollen.“ Und damit meint Andreas Grummes, dass ein Geschäft, das über Generationen mit einer Stadt verwachsen ist, auch stadtpolitisch und vor allem hinsichtlich eines intakten Innenstadtlebens eine hohe Verantwortung trägt. Was heißt, dass es sich nicht allein für den kurzfristigen, den aktuellen Erfolg, sondern ebenso für die kommenden Zeiten einsetzen sollte.
Für ihn ist es der Dreiklang des Hauses Cron & Lanz, das Zusammenspiel der hohen Qualität der Erzeugnisse mit einer stilvoll-zeitgemäßen Caféatmosphäre und einem exzellenten Service, das dafür sorgt, dass Cron & Lanz noch immer als ein Aushängeschild für Göttingen zu gelten vermag.
![]() |
| Das 1996 eingerichtete Bistro ,Crönchen'. © Cron & Lanz |
Heute hat Cron & Lanz 60 Mitarbeiter, 250 Sitzplätze und bietet 20 verschiedene Torten, 70 Sorten Pralinen, 10 Arten Konfitüren, Baumkuchen in den verschiedensten Variationen, 15 Sorten Tee- und Käsegebäck sowie Suppen, Salate, Toasts und Quiches an. 70 Prozent der Waren werden außer Haus verkauft.
Wieder einmal herrscht eine Wirtschaftskrise in Deutschland. Erneut sind Zeiten angebrochen, in denen die Existenz vieler alter Firmen auf dem Spiele steht. Die Tochter von Grummes, Ulrike Grummes, selbst Konditormeisterin und ebenfalls Gesellschafterin des Geschäfts, ist nun bereits die vierte Generation, die den Betrieb fortführen wird.
Was wären unsere deutschen Innenstädte ohne alteingesessene Familienunternehmen wie Cron & Lanz? In einem Café zu sitzen und sich vorzustellen, hier haben einst viele Göttinger Nobelpreisträger, hier haben Schriftsteller wie Edith Stein und Peter Bamm ihren Kaffee getrunken und eine der auch heute noch nach altbewährtem Rezept erzeugten Torten genossen, wo ist das außer in Göttingen noch möglich?

