Politik

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Don Camillo und Peppone:
Die Geschäfte von Kirche und Politik

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Don Camillo: Die Kirchen und das liebe Geld
Don Camillo: Die Kirchen und das liebe Geld. © kli

Don Camillo: Die Kirchen und das liebe Geld

Schon am 27. Januar 2005 war es offiziell: Die Aachener Grundvermögen Kapitalanlagengesellschaft mbH hatte das Geschäftshaus Groner Str. 32/33 in der Göttinger Innenstadt über Comfort Immobilien Düsseldorf erworben (wir berichteten: Göttinger Immobilien im Ausverkauf). Nach dem Umbau wird dort 2006 das Modegeschäft Esprit seine Türen öffnen. Der Aachener Grund-Fonds arbeitet nach eigenen Angaben ausschließlich für „Vermögensträger der kath. Kirche“, als da wären: Kirchengemeinden, deren Fonds und Stiftungen, Ordensgemeinschaften, kirchliche Vereine und Verbände, Bistümer sowie selbständige vermögende Diözesen. Sie hat ihre Anlagestrategie an den erfolgversprechenden Filialunternehmen ausgerichtet, die den traditionellen, innerstädtischen Einzelhandel seit Jahr und Tag beuteln. Eine breite Streuung auf viele Immobilien und viele Mieter gilt ihr als sichere Investition, die eine sichere und rentable Anlage für mittel- bis langfristig orientierte Anleger bildet. Das Geschäft stimmt also. Über 2200 Anleger sind bei der Aachener Grund glücklich. Das Fonds-Volumen liegt Carsten Frerk zufolge, dem Leiter der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (FOWID), bei etwa 2, 5 Mrd. Euro. So weit, so gut, möchte man meinen.

Doch Moment - stutzig macht es einen schon, das hier Abermillionen hin und her geschoben werden, wo doch aller Christen und Kirchen höhere Mission dies eigentlich kritisiert: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“ (Matthäus-Evangelium 19, 24). Auch das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen, kranken Lazarus spricht eine deutliche Sprache: „Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß“ (Lukas-Evangelium 16, 22f.). Aber vermutlich war hier wieder nur ein Auslegungstrick am Werk, der vielleicht aus dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten die Weisheit zieht: „Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten“ (Matthäus-Evangelium 25, 27). Nur muss man sagen: Hier geht es nur bildlich um Geld, nicht aber sachlich. Doch gerade in der katholischen Kirche heiligte der Zweck schon immer die Mittel – zumindest seit der Jesuitenorden durch seine strenge Dogmatik und teils geradezu unbarmherzige Aktivitäten Anlass dazu gab, ihm diese Maxime zuzuschreiben.

Spiel mit verdeckten Karten

Don Camillos Mammon

Aber bleiben wir beim Geld. Und bei den Kirchen. Denn wo kirchliches Geld noch überall entlang fließt, weiß wohl nur Gott allein. Zumindest ist uns jedoch ein begrenzter Blick in die finanziellen Karten der Kirchen möglich. Die haben nämlich beachtlich was auf der Hand, und noch mehr auf der hohen Kante. Die evangelischen Kirchen in Deutschland hatten im Jahr 2000 Einnahmen von 4, 249 Mrd. Euro durch die Kirchensteuer. Hinzu kamen über 342 Mio. Euro „Gemeindebeiträge“, die nicht in der offiziellen Statistik auftauchten. Das macht also 4, 591 Mrd. Euro für das Jahr 2000. Damit sind die 100 Prozent aber noch lange nicht voll, denn mit diesen  4, 591 Mrd. Euro sind nur 43, 7 % der gesamten Einnahmen erfasst. Hinzu kommen 222 Mio. Euro an Staatsleistungen für bis zu 200 Jahre alte und damit eigentlich schon längst veraltete Forderungen von den evangelischen Kirchen an den Staat und seine jeweiligen Rechtsnachfolger. Das sind keine Kirchensteuern, sondern Zahlungen an die Kirche, die aus der Zeit Napoleons stammen und von allen Steuerzahlern mitfinanziert werden müssen.

Geldsorgen: "Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel." (Lukas-Evangelium 12, 33) © kli

Ein dicker Batzen von 1, 781 Mrd. Euro an öffentlichen Fördermitteln und Zuschüssen von Dritten fand 2000 ebenfalls seinen Weg in das evangelische Finanzsäckel. Weitere 2, 061 Mrd. Euro flossen aus einem bunten Gemisch von Zinseinnahmen, Entgelten für Dienstleistungen, Betriebskostenerstattungen, Mieten, Pachten und Vermögenseinnahmen. Damit wird verschleiert, was nun was ist. Denn – mal ehrlich – warum sollte man so verschiedene Einnahmequellen wie Zinserträge und Entgelte für Dienstleistungen zusammen rechnen?

Beispielhaft ist dafür auch die Ausgabenstatistik der EKD für „ihre“ Kindertagesstätten. Dafür hat sie nach eigenen Angaben 1, 568 Mrd. Euro berappt, was 14, 9 % aller ihrer Ausgaben entspräche. Tatsächlich wurden aber ganze 1, 1 Mrd. Euro davon staatlich getragen und 320 Mio. Euro Elternbeiträge kamen hinzu. Von den offiziell behaupteten 1, 568 Mrd. Euro beteiligten sich EKD, Landeskirchen und Kirchengemeinden tatsächlich also nur mit überschaubaren 148 Mio. Euro. Das sind nur noch 1, 4 % der Gesamtausgaben - statt 14, 9. Rechenkunst im Auftrag des Herrn?

Die katholischen Bistümer konnten 2000 mit 4, 535 Mrd. Euro an Kirchensteuern rechnen. Tiefer dringen kann man in diesen Fragen bei der katholischen Kirche als Normalsterblicher kaum. Aber auch hier tragen die Kirchensteuern wohl kaum mehr als 45 % zum Gesamthaushalt bei. Öffentliche Zuschüsse, Vermögens- und Gebührenerträge sowie Kollekten und Spenden kommen hinzu. Insgesamt dürfte sich ein sehr ähnliches Bild wie bei der evangelischen Kirche ergeben.

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