Politik

Fiesta Mexicana

Mexikanisches Fußball-Nationalteam in Göttingen

von Nord von Lohebeeke

Jahnstadion: Gelang es den Göttingern, die Mexikaner für sich zu begeistern?
Jahnstadion: Gelang es den Göttingern, die Mexikaner für sich zu begeistern? © kli

Hat's jemand gemerkt? Vom 11. bis 15. Juni hielt sich das mexikanische Fußball-Nationalteam zur Vorbereitung des Confederation Cups in Göttingen auf. Sie logierten im Hotel Freizeit In, trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein und nutzten das frische Grün des Jahnstadions für ein Testspiel. In Anbetracht der Bewerbung Göttingens als Quartier für die Fußballweltmeisterschaft 2006 wäre ein großer und herzlicher Empfang der Mexikaner sicher eine gute Idee gewesen. Mit einer Nationalmannschaft, die ihr Quartier zur Fußball-WM in Göttingen aufschlagen würde, wäre die Gänselieselstadt nämlich für einige Wochen in aller Munde. Im November entscheiden sich die beteiligten Nationalmannschaften für einen Standort. Gelang es den Göttingern, die Mexikaner für sich zu begeistern? Haben sie es überhaupt probiert?

Neun Monate lang wurde viel Geld von Sponsoren aufgebracht, um Göttingen sportlich auf die Weltkarte zu bringen. Der Einzelhandel nutzte das Ereignis und beantragte einen verkaufsoffenen Sonntag. Man sollte meinen, Politik und Verwaltung hätten sofort diese Initiative unterstützt, um den Mexikanern einen rauschenden Empfang zu bereiten. Weit gefehlt, an einem möglichen Aktionsprogramm (u.a. Sombrero-Weitwurf) wurde herumgemäkelt und dies in der Presse süffisant begleitet. Zum Schluss wurde der Antrag, nach Wochen des Gezerres, abgelehnt.

Wie präsentierte sich Göttingen am geschlossenen Sonntag, dem 12. Juni 2005? Der Marktplatz am Sonntag war tot. Der Handel hatte keine Mexiko-Dekoration in den Schaufenstern. Die Presse versuchte Stimmung für Mexiko zu machen. 500 Personen konnten Karten für eine Talkrunde in der Lokhalle gewinnen. Mexiko fand nur im Saale statt. In den Medien wurde von einer "Völkerwanderung" zum Jahnstadion gesprochen. Das "Volk" bestand aus "rund 600" Personen. Sehr kleine Fotos in der Zeitung sollten die tatsächliche Leere kaschieren und die unbefriedigende Teilnahme überdecken.

Leere Fahnenmasten am Alten Rathaus zur Begrüßung.
Leere Fahnenmasten am Alten Rathaus zur Begrüßung. © kli

Die Halle des Alten Rathauses war mit vielen Bistrotischen, ausreichend für ca. 300 Personen, ausgestattet. Tatsächlich waren weniger als 100 Ehrengäste anwesend und füllten nur spärlich den Empfangsraum. Nur einem Gast fiel auf, dass vor dem Rathaus an den leeren Fahnenmasten keine mexikanische Fahne hing. Auch im Freizeit In wehte keine Fahne, da diese von der Stadt bis Sonntag nicht geliefert wurde.

Die Offiziellen waren sich nicht einig, wann und ob sich die Mexikaner ins Goldene Buch der Stadt eintragen sollten. So wurde der Sonntagstermin für die Eintragung auf den folgenden Dienstag 16.00 Uhr verschoben. Kurz nach 16.00 Uhr – ca. 20 Besucher warteten an der Treppe zum Ratssaal – bog ein Polizeiauto um die Ecke. Einige Offizielle, mexikanisches TV und Fotografen fotografierten ihre Landsleute. Nach kurzer Zeit kamen noch zwei Spieler, das war's.

Die Initiatoren haben viel Zeit und Geld in diese Maßnahme gesteckt. Sehen sie ihr Geld gut angelegt?

Wie haben die Mexikaner den Empfang in dieser Stadt empfunden? Wie fühlen sie sich mit der Weigerung von Hessen-Kassel, gegen die Gastmannschaft anzutreten?

Was muss von wem getan werden, um Begeisterung für diese Aktion in dieser Stadt, der Region und ihren Menschen zu wecken?

Hoffen wir, dass die Mexikaner 2006 trotzdem kommen.

Fiesta Mexikana Zwo – Toll gemacht? Sie kommen!

Eine nicht optimale Präsentation im Juli, aber es hat gereicht. Sie kommen, die mexikanischen Fußballer. Nun ist sie da, die Chance, einiges besser zu machen und auch mit einem vernünftigen Marketing und einer guten Promotion nicht nur einen regionalen Effekt zu erzielen. Warten wir es einmal ab. Die Chancen sind da. Sie sollten auch von denen, die es können genutzt werden.