Gesellschaft

Gutingi erleben - Ausstellungshighlight in Göttingen

von Margit Wagner

Richtfest des Grubenhauses im Innenhof.
Richtfest des Grubenhauses im Innenhof. © kli

Eine Ausstellung der Extraklasse ist derzeit in der Göttinger Paulinerkirche, einem der schönsten Ausstellungs- und Veranstaltungssäle in ganz Niedersachsen, zu sehen: Gutingi – vom Dorf zur Stadt.

Am 11. Juni um 14.00 Uhr wurde die Ausstellung in der Paulinerkirche von Prof. Dr. Elmar Mittler, Direktor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, feierlich eröffnet. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Frank Siegmund vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Basel. An die 300 Besucher waren zur Ausstellungseröffnung gekommen, die Bestuhlung reichte nicht aus. Kein Wunder, ging es doch um die Geschichte Göttingens, die nach den neuesten archäologischen Erkenntnissen sogar 300 Jahre länger zurückreicht als bisher angenommen, nämlich bis in das 7. Jahrhundert.

Sogar ein Richtfest gab es im Innenhof des Bibliotheksgebäudes: hier kann man nämlich einen originalgetreuen Nachbau eines so genannten Grubenhauses bewundern; das sind einräumige Vielzweckbauten in rechteckiger Form, die bis ca. einen Meter tief in den Boden hineinragen.

Insgesamt sind in dieser Ausstellung mehr als 500 Exponate und Nachbauten zu sehen, die den Besuchern einen Eindruck vom Alten Dorf und dem Entstehen der Stadt, sowie vom Leben und Arbeiten der damaligen Menschen vermitteln: Ein Webstuhl und Lederschuhe zeugen vom Handwerk, Pflanzen und Getreidesorten geben Auskunft über Anbau und Ernährung. Der den Hof bewachende Haushund sowie verschiedene landwirtschaftliche Nutztiere des Alten Dorfes sind nicht nur in Lebensgröße nachgebildet, nein, man hört tatsächlich auch akustisch das Grunzen der Schweine, das Muhen der Kühe und das Blöken der Schafe. Des Weiteren kann man Überreste einer mittelalterlichen Knochenschnitzerwerkstatt bewundern sowie riesige Biergläser aus dem 16. Jahrhundert vom weltweit einzigartigen „Typ Göttingen“ und auch Porzellan aus Meißen und China aus dem 18. Jahrhundert. Die archäologischen Originalfunde stammen größtenteils von den Ausgrabungen auf dem Lünemann-Gelände.

Knochenfunde von Haustieren des alten Dorfes.
Knochenfunde von Haustieren des alten Dorfes. © kli

Ein ganz besonderes Highlight stellt die Urkunde aus dem Jahr 953 dar, in der Göttingen zum ersten Mal erwähnt wird. Sie ist eine Leihgabe aus Magdeburg und hat ihren Ehrenplatz im so genannten Schatzhaus im Chor der Paulinerkirche, wo sie erstmals in Göttingen überhaupt bewundert werden kann.

Aber nicht nur Erwachsene, auch Kinder kommen auf ihre Kosten. Sie können sich in der Ausstellung bei einem Computerspiel zum Thema die Zeit verkürzen.

Eine DVD, die außerdem in der Ausstellung zu sehen und zusammen mit dem reich bebilderten Katalog erhältlich ist, lässt in audiovisuellen Computeranimationen nicht nur die Bauten Gutingis, sondern die gesamte Anlage des Alten Dorfes wieder erstehen.

Besondere Aufmerksamkeit wird auch der Archäologie samt allen beteiligten Wissenschaften gewidmet. Texte und Bilder informieren den Besucher über Inhalt und Vorgehensweise dieser Arbeit.

Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm wie zum Beispiel mittelalterliches Töpfern, Schmieden und die Münzprägung von Göttinger Hohlpfennigen sowie eine „Modenschau“ vom frühen zum späten Mittelalter begleiten die Ausstellung. Näheres hierzu erfahren Sie im Internet unter www.paulinerkirche-goettingen.de.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. August in der Paulinerkirche im Historischen Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek im Papendiek 14 zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung Dienstag - Sonntag von 11.00 - 18.00 Uhr. Jeden Samstag um 15.00 Uhr findet eine öffentliche Führung durch die Ausstellung statt.

Der Katalog zur Ausstellung: „Gutingi - vom Dorf zur Stadt. Neueste Ergebnisse der stadtarchäologischen Arbeit“ wird zusammen mit der DVD an der Kasse für 24,90 Euro „verschenkt“.