Politik

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Göttinger Immobilien im Ausverkauf

Wer hat da nur alles seine Hände mit im Spiel?

von Nord von Lohebeeke

An der Groner Straße setzt eine Düsseldorfer Holding auf „signifikante Änderungen durch die Ansiedlung von Magnetbetrieben“. Und beim Kauf des Sparkassengebäudes, gegenüber dem Carré, eines Gebäudes mit Schlüsselfunktion für die Pläne um das Stadtbadareal, ist vom großen Unbekannten die Rede.

Hier plant Comfort signifikante Änderungen durch die Ansiedlung von Magnetbetrieben
Hier plant Comfort signifikante Änderungen durch die Ansiedlung von Magnetbetrieben. © kli

Geheime Pläne offenbaren sich früh und kommen doch als späte Überraschung daher. So auch in Göttingen. Am 1. und 6. Oktober 2005 machte das Göttinger Tageblatt Pläne publik, die bereits im Dezember 2004 in aller Göttinger Munde hätten sein können: Die Düsseldorfer Gruppe der Comfort Holding mbH suche im Bereich zwischen Nicolaistraße und Düsterer Straße alle Häuser an der Groner Straße aufzukaufen.

Für den, der es wissen wollte, gab es am Markt seit langem alle Informationen. Bereits im Dezember 2004 eröffnete ein Mitarbeiter des Göttinger Briefes bei der Vorstellung des GfK-Prisma-Gutachtens im Alten Rathaus der Göttinger Presse, Vertretern sämtlicher politischer Parteien sowie dem Stadtbaurat Dienberg, dass eine Düsseldorfer Gruppe sich in Göttingen etabliere. Siebzehn Häuser der Groner Straße wolle sie aufkaufen. Angeblich hatte Ende 2004 keiner der Anwesenden Kenntnis davon. Aber nicht nur das. Sie können zudem kaum wirklich zugehört haben. Denn, man lese und staune: Am 6. Oktober 2005 vermeldet das Göttinger Tageblatt hinsichtlich der Planungen von Comfort: Am 13. Oktober wollen sich die Ratspolitiker über diese im nichtöffentlichen Teil ausführlicher informieren lassen. Denn sie hätten in der vergangenen Woche erstmals aus dem Tageblatt von diesen Plänen erfahren.

Was, wenn die Ratspolitiker besser zugehört und sich bereits im Dezember 2004 ausführlich über die Pläne der Düsseldorfer Holding informiert hätten? Hätten Sie sich dann nicht schon längst darüber Gedanken und eigene Pläne machen können, was die ihnen nun erst jetzt von Herrn Bechtle, dem Geschäftsführer der Comfort, vorgelegten Pläne für die Göttinger Innenstadt eigentlich bedeuten und wie sie sich ihnen gegenüber stellen und positionieren sollten? Ist es denn nicht eigentlich ihre Aufgabe, sich über die Entwicklungen in ihrer Stadt auf dem Laufenden zu halten? Und zwar noch bevor sie bereits laufen und nur noch schwer zu bremsen sind?

Eine alte Bürgerweisheit

... lautet zu Recht:

Politiker hören sich am liebsten selbst zu.

Kommentar: Na wen nimmt es da noch wunder, dass sie, wenn andere reden, des vielen und ausführlichen Zuhörens bereits müde sind.

Verdient hat Göttingens beliebte Fachwerk-Innenstadt dieses späte Aufmerksamwerden der Stadtpolitiker wohl kaum. Was das Konzept betrifft, aus dem heraus die Häuser aufgekauft wurden: Im Internetauftritt von Comfort ist es für jeden öffentlich gemacht. Unter den Projekten der Holding ist die Groner Straße in Göttingen als ein Projekt mit Pilotfunktion aufgeführt. Da von „noch geheimen Plänen“ zu sprechen, ist vom Göttinger Tageblatt und den Stadtpolitikern mutig.

Comfort liegt ersichtlich viel am Projekt „Groner Straße“. Die Holding hat keine Ausgabe gescheut. Mit einem zweiten Angebot, welches bei weitem den tatsächlichen Wert der Gebäude und Grundstücke übersteigt, hat die Holding zwei, zunächst noch nicht verkaufsbereite Hauseigentümer an der Groner Straße bereits überzeugt. Ein Angebot, dessen Konditionen übrigens seinerzeit auch anderen Interessenten von dem Maklerunternehmen zugänglich gemacht worden sind.

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