Wirtschaft

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Schlichte Verpackung, edler Kern?

von lem

Erdbeer Sahne-Bonbon (Storck).
Erdbeer Sahne-Bonbon (Storck). © lem

Oft steckt in den schmucklosen Verpackungen Markenware zum günstigen Preis. Fast alle No-Name-Produkte sind Kopien erfolgreicher Markenartikel. Mit zunehmendem Marktanteil der Billigmarken hat sich ihre „Reaktionszeit“ rapide verkürzt: Zwischen der erfolgreichen Einführung eines Markenprodukts bis zur Platzierung der direkten Billig-Konkurrenz im weißen Kleid vergehen inzwischen nur noch wenige Monate.

Der Grund ist einfach: Viele Billigprodukte kommen vom selben Hersteller wie das Marken-Original. Es gibt zwar einige Hersteller (wie etwa Dr. Oetker), die ausschließlich ihre eigenen Marken produzieren. Die meisten großen Nahrungsmittelhersteller räumen aber zumindest „Randgeschäfte“ (Nestlé) ein oder haben sich mit der „Billig“-Produktion ein wichtiges zweites, drittes oder viertes Standbein aufgebaut. Verständlicherweise ist es ein gut gehütetes Geheimnis, welche Firmen welche „No-Name-Produkte“ anbieten. Kaum ein Markenartikelhersteller gibt zu, dass von seinen Bändern auch „No-Names“ laufen. Schließlich sollen die Verbraucher zum teureren Markenprodukt und nicht zur Alternative im Billigmäntelchen greifen.

Erdbeer-Sahne-Bonbon (gekauft bei Aldi).
Erdbeer-Sahne-Bonbon (gekauft bei Aldi). © lem

Auch wenn ein Markenartikel und die Kopie nicht immer absolut identisch sind, garantiert diese Herkunft aus dem gleichen Haus eine gesicherte Qualität, die der des Markenartikels nicht nachstehen sollte. Kein Hersteller kann es sich leisten, die Qualitätskontrolle, die er für seine Markenware betreibt, für die No-Name-Produktion auszusetzen.

Im Gegenteil: Die No-Name-Produkte tragen ja den Namen des Discounters - und der will nicht durch schlechte Qualität im Wettbewerb negativ auffallen. Die Qualität wird also gleich zweimal überwacht: Einmal beim Hersteller und ein zweites Mal beim Händler.

Joghurt mit der Ecke (Müller).
Joghurt mit der Ecke (Müller). © lem

Dieter Brandes, der nach seinem Ausscheiden aus dem Aldi-Verwaltungsrat ein Buch über den Erfolg des Konzerns schrieb, über die zweite Qualitätskontrolle beim Discounter: „Dazu gehören sensorische Prüfungen, Laboranalysen - natürlich bei Fremdlabors - aber auch die Prüfung, ob die Toilettenpapierrolle wirklich die ausgelobten 200 Blatt hat.“

Die Einkaufsberaterin Marina Schneider kann das anhand ihrer Kontakte in der Industrie nur bestätigen: „In die Backmischung für den Discounter kommt gern mal eine Extra-Schaufel Haselnüsse und in den Gläsern mit den eingeweckten Kirschen ist regelmäßig ein bisschen mehr drin als draufsteht, um ja nicht durch die Kontrollen des Discounters zu rasseln.“

Mit wenig Vorwissen findet man diese Schnäppchen. Wie erkennt man gute Billigprodukte im Regal? Dafür gibt es ein paar einfache Anhaltspunkte, an denen man relativ zuverlässig erkennen kann, ob ein Produkt zu einer bestimmten Firma gehört oder nicht.

Joghurt mit der Ecke (gekauft bei Aldi).
Joghurt mit der Ecke (gekauft bei Aldi). © lem

Bei Recherchen fanden sich zahlreiche etablierte Produzenten, die nicht nur ihre eigenen Marken ins Regal bringen, sondern auch „No-Names“ für Penny, Norma, Aldi, Lidl & Co. produzieren. Die Liste liest sich wie das „Who is Who“ der Nahrungsmittelbranche: Schöller, Bauer, Zott, Müller, Zimbo, Wiesenhof, Coppenrath & Wiese, Buko, Campina, Frosta, Hochland, Milram, Herta … .

Um diese schlichter verpackten No-Name-Produkte der renommierten Markenhersteller zu identifizieren, lohnt es sich etwas genauer aufs Etikett zu schauen: Der selbe Herstellungsort, eine gleiche Zutatenliste und Nährwertkennzeichnung, ähnliches Aussehen der Verpackung und Produkte sowie der Geschmack verraten die Markenprodukte mit Tarnkappe. Bei Preisunterschieden, die in der Regel zwischen 20 und 30 Prozent liegen (manchmal über 50 Prozent), macht sich diese Mühe schnell in barer Münze bezahlt.

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