Politkrimi Deutschland: der Täter ist der Staat
Jürgen Roth, sein Buch „ermitteln verboten“ und warum Polizei und Justiz Straftaten verdecken statt aufdecken
von str
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| Hinter Gittern: nur noch die Kleinen? © kli |
„Und weil das saubere Image gepflegt werden will, wird korruptes Verhalten kurzerhand legalisiert.“ Dies eines der vielen Zitate, mit denen Jürgen Roth nahe legt, dass auch in Deutschland ermitteln immer dann verboten ist, wenn es hochkarätige Verbrecher, wenn es die Spitze in Politik und Wirtschaft trifft und zu schützen gilt. Und kriminelle Politiker sind nun einmal nicht die Ausnahme. Die Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist natürlich ein Politiker, ein Jurist, ein Unternehmer á la Hollywood: Zu gut für diese Welt und die sie beherrschende Wirtschaftsmoral. Einer, der sich selber lieber als das geltende Recht opfert. Denn Geld ist gut und sehr viel Geld bekanntlich noch besser. Und Geldwäsche, die in Deutschland so manches baut und aufbaut, die in manches Millionen über Millionen investiert, ist unserem verschuldeten Staat nun einmal mehr als willkommen und beugt manch Rechtsgefühl noch bevor es auftritt.
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Und das nicht nur in Baden-Baden, von dem bereits Leo Tolstoi wusste: „Von lauter Lumpen umgeben, und der größte Lump bin ich“ und aus welchem Nikolaj Gogol seiner Mutter schrieb: „Alle kommen nur hierher, um sich zu amüsieren.“ Und das für teures Geld, auch heute noch. Und wer fragt da schon, woher es kommt? In Baden-Baden werden „die neuen Investoren aus dem ungastlichen Osten jedenfalls gehätschelt“ und als der besondere Hauch der Stadt vermarktet. Davon weiß Jürgen Roth seitenlang sein Räuberlied ‚Deutschland’ zu singen: „Nicht, dass in anderen Bundesländern keine Grundstücke von reichen Russen gekauft werden. Im Saarland beispielsweise sagen Makler: ‚Die Einzigen, die noch Häuser kaufen, sind die Russen. Für sie ist das Wichtigste, sie haben Grundbesitz.’ Man könnte es auch Geldwäsche nennen. Aber nirgendwo ist das Problem so offenkundig wie in Baden-Baden.“
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| Staatsanwaltschaft: Nur eines der Gebäude, in denen sich alles um das deutsche Recht dreht. © kli |
Die Rede ist da zum Beispiel von Eduard Schewardnadse, dem georgischen Präsidenten, den in Tiflis wegen der grassierenden Korruption ein junger Politiker vom Thron stürzte. Schewardnadse bestreitet nun zwar, mit dem Kauf der Grundigvilla in Baden-Baden etwas zu tun zu haben. Doch die ehemalige Besitzerin Chantal Grundig hatte der Oberbürgermeisterin von Baden-Baden, Sigrun Lang längst persönlich offenbart, ihr Anwesen an ihn verkauft zu haben. Es fragt sich nun, warum derart große Geheimnisse um Immobilienkäufe von Spitzenpolitikern und -unternehmern gemacht werden. Fast so groß wie die, die über ihre Auftritte im Rotlichtmilieu grassieren. Und das all überall in deutschen Landen und nicht nur, wenn es sich um kapitalträchtige Russen - gilt nicht die Ukraine als einer der korruptesten Staaten der Welt? - handelt. Vielleicht, weil all diese Investitionen fast immer mit Geldern geschehen, die alles andere als sauber sind?
Auch Politiker sind dem Geld hörig
Wir wissen es schon lange. Wir sind nicht dumm und lassen uns doch immer wieder für dumm verkaufen. Nehmen hin, dass unsere Rechtssprechung auf der einen Seite kaputt gespart und auf der anderen mit viel Geld bestochen wird. Warum nur ist das so? Warum interessieren uns Jacko und seine Zeugen mehr als das, was die Polizei und Justiz in unserer Stadt, direkt vor Ort ermitteln oder eben auch nicht, weil kein Geld da ist und in den Polizei- und Justizämtern mehr verwaltet als gefahndet wird? Ermittlungen hinsichtlich organisierter Kriminalität und deren Gewalttaten rentieren sich jedenfalls schon lange nicht mehr. Das ist eines der Ergebnisse, das die Recherchen und die vielen Gespräche mit Kriminal- und Justizbeamten von Jürgen Roth belegen.

