Preistreiber Treibstoff

Muss sich der Verbraucher die Benzinpreise wirklich täglich neu diktieren lassen?

von Nord von Lohebeeke

Aral-Tankstelle: per Fusion in Händen des britischen Ölkonzerns BP
Aral-Tankstelle: per Fusion in Händen des britischen Ölkonzerns BP. © kli

Jeden Tag ein anderer Preis. Tendenz steigend. Niemand weiß, was ihn morgen erwartet. Niemand weiß, was ihn einen Ort weiter erwartet. Wer beruflich viel unterwegs sein muss und dabei mit dem Auto fährt, dem fällt schnell auf, in welchem Maße die Benzinpreise regional, von einem Ort zum nächsten schwanken. Und nicht nur das. Auch an Ort und Stelle, an ein und derselben Tankstelle bewegen sie sich in kurzer Frist um 7 oder 8 Cent nach oben oder unten.

Wer möchte nicht wissen, was da eigentlich los ist? Wie das eigentlich sein kann, dass sich kein anderer freier Markt als ebenso haltlos und unberechenbar erweist wie der Treibstoffmarkt?

Warum?

Wer sich für Wirtschaft interessiert, weiß es, Aral und DEA waren einmal deutsche Unternehmen. Aral wurde 1898 durch dreizehn Bergbauunternehmen in Bochum gegründet. Zwischen 1960 und 1970 erwarb die Veba nach und nach 56 % Prozent der Aralanteile, 2000 übernahm Veba Aral ganz. Veba ist mehrheitlich im Besitz des Bundes. Sicher aufgrund der katastrophalen Kassenlage wurde ein Stück Tafelsilber 2001 an BP verkauft.

Folgendermaßen sieht es bei der Mineralölmarke DEA aus: DEA, ursprünglich im Besitz der RWE-AG, ist heute in den Händen von Shell. RWE als Energieriese mit tiefsten Verwurzelungen in der Politik kann man getrost auch als Tafelsilber, wenn nicht sogar als Tafelgold bezeichnen. So war es willkommen, Landeskassen mit dem Verkauf zu füllen. Wettbewerber sind weggefallen, wenige Große machen es unter sich aus. Der Verbraucher zahlt wieder einmal die Zeche.

Was dahinter steckt, ist eine ganz bestimmte Strategie der großen Mineralölkonzerne. Lassen sich die Preisverhältnisse nicht überschauen, ist es umso einfacher, die Gewinnspannen zu Lasten des Verbrauchers zu erhöhen, ohne dass dieser diese Taktik zu durchschauen vermag. Mag das Rohöl auch teuer sein und mag das Benzin inklusive Steuer zunehmend mehr kosten, die Preispolitik der Mineralölkonzerne sorgt dafür, dass die Konzerne selbst in jedem Falle an jedem Liter Benzin stetig mehr denn weniger verdienen.

Stehen die Verbraucher diesem Verhalten der Mineralölkonzerne nun wohl völlig machtlos gegenüber?

Da der gesamte Treibstoff unabhängig vom Anbieter aus wenigen Großraffinerien kommt, so dass der Stoff von Aral oder Shell aus dem gleichen Tank wie der der Freien Tankstellen kommt, ist dem Verbraucher nur eines zu raten: Dort zu tanken, wo es am preisgünstigsten ist, um die Preistreiberei zu boykottieren.

Und warum sollte der Verbraucher zu allem Überfluss auch noch Wettbewerbsstrukturen unterstützen, in denen die großen Konzerne wie der britische Ölkonzern BP per Fusion zunehmend konkurrenzlos die deutsche freie Marktwirtschaft beherrschen? Nicht nur, dass 2002 BP sich Aral einverleibt hat, Shell ebenso die DEA. 2002 gründeten die deutsche Shell zusammen mit RWE-DEA das Gemeinschaftsunternehmen Shell&DEA Oil. Das so genannte Joint Venture wurde zum ersten Juli 2002 zu 100 % von Shell übernommen und Ende 2003 dann in Shell Deutschland Oil umbenannt (s. www.shell.com).

DEA/Shell: Eine weitere Fusion, ein weiterer Tankstellenriese, und doch keine Preissenkung in Sicht.
DEA/Shell: Eine weitere Fusion, ein weiterer Tankstellenriese, und doch keine Preissenkung in Sicht. © kli

Auch die BP hat, nachdem 2002 das Bundeskartellamt den Fusionen der Ölkonzerne zugestimmt hatte, Ende 2002 sowohl die Tankstellen und den Mineralölvertrieb der Tochtergesellschaften der Aral Aktiengesellschaft als auch die Veba Oil Refining & Petrochemicals, das heißt die Mineralölverarbeitung und Petrochemie in den Deutschen BP-Konzern integriert (s. www.deutschebp.de). Shell hat im Juli 2005 dann alle seine Tochtergesellschaften in die Royal Dutch Aktiengesellschaft nach englischem Recht vereinigt, die an den Börsen in London, Amsterdam und New York dotiert ist und deren Hauptquartier in Den Haag liegt.

Auf diese Weise sind zwei konkurrierende Wettbewerber vom Markt verschwunden, zwei mehr oder weniger direkte Töchter bundeseigener Energieversorgungsunternehmen einmal von einem britischen und einmal von einem britisch-niederländischen Ölkonzern aufgekauft worden. Die BP war jedenfalls geschickt genug, seine eigene, britische Marke auf dem deutschen Markt gänzlich in Aral aufgehen zu lassen.

Warum schweigt der Staat?

Eine Frage der Doppelmoral? Auch der Steueranteil am Benzinpreis ist kontinuierlich gewachsen. Seit Beginn der 90er Jahre um mehr als das Doppelte, von damals 36 Cent auf heute, einschließlich der Ökosteuer ca. 66 Cent pro Liter. Da die Mehrwertsteuer von 16 Prozent auch auf den Warenpreis und die Mineralölsteuer erhoben wird, macht so die Steuer 70 % des Benzinpreises aus. Bei einem Benzinpreis von 120 Cent (1,20 €) fließen 82 Cent in die Taschen des Fiskus. Das dieser kein Interesse hat, daran etwas zu ändern, liegt auf der Hand. Die Dummen sind täglich Millionen von Menschen, die ohne die geforderte Mobilität nicht mehr in der Lage sind, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.

Auch die BP hat, nachdem 2002 das Bundeskartellamt den Fusionen der Ölkonzerne zugestimmt hatte, Ende 2002 sowohl die Tankstellen und den Mineralölvertrieb der Tochtergesellschaften der Aral Aktiengesellschaft als auch die Veba Oil Refining & Petrochemicals, das heißt die Mineralölverarbeitung und Petrochemie in den Deutschen BP-Konzern integriert (s. www.deutschebp.de). Shell hat im Juli 2005 dann alle seine Tochtergesellschaften in die Royal Dutch Aktiengesellschaft nach englischem Recht vereinigt, die an den Börsen in London, Amsterdam und New York dotiert ist und deren Hauptquartier in Den Haag liegt.

Auf diese Weise sind zwei konkurrierende Wettbewerber vom Markt verschwunden, zwei mehr oder weniger direkte Töchter bundeseigener Energieversorgungsunternehmen einmal von einem britischen und einmal von einem britisch-niederländischen Ölkonzern aufgekauft worden. Die BP war jedenfalls geschickt genug, seine eigene, britische Marke auf dem deutschen Markt gänzlich in Aral aufgehen zu lassen.

Sprit der freien Tankstellen ist genau so gut, aber billiger.
Sprit der freien Tankstellen ist genau so gut, aber billiger. © kli

Beide, BP und Shell, haben enorme Gewinnsteigerungen zu verzeichnen, das ist sicher. Mit den Aktivitäten in Deutschland erwirtschaftete Shell im Jahr 2004 einen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro. So lässt Shell selbst auf eigener Homepage verlauten. Weiter heißt es, dass Shell an Explorations- und Förderprojekten in über 45 Ländern beteiligt sei und seine Produktion an Erdöl, Erdgas und anderen Kohlenwasserstoffen sich auf rund 3,8 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag (ein Barrel entspricht 159 Litern) belaufe. Die von BP auf eigener Homepage veröffentlichten Finanzdaten bezeugen ebenfalls, dass das Geschäft immer besser und gewinnträchtiger läuft. Da mutet es recht eigenwillig an, dass beide Konzerne sich veranlasst sahen und sehen, Mitarbeiter zu entlassen.

Gestiegene Rohölpreise

Gestiegene Rohölpreise: Alles Makulatur. Wer kassiert?

1980 waren die Rohölpreise auf demselben Niveau wie 2004. Im Schnitt kostete der Barrel 35 bis 38 US-Dollar. 2004 bewegte sich der Preis zwischen 33 und 38 Dollar je Barrel. 1980 kostete der Liter Treibstoff im Schnitt 55 bis 60 Cent, 2004 kostete der Treibstoff 98 bis 115 Cent. In den Jahren nach 1980 fiel der Preis für Rohöl drastisch, die Literpreise für den Treibstoff stiegen aber kontinuierlich. Ein interessanter Link: www.mwv.de. Hier gibt es Statistiken zu Preisentwicklungen.

Pro Tag würden rund 25 Millionen Tankstellen-Kunden weltweit den Service von Shell nutzen, verkündet Shell stolz auf eigener Homepage. Doch muss das so sein? Muss der Verbraucher auch noch diejenigen unterstützen, die auf seine Kosten versuchen ihre Gewinnspannen jährlich zu steigern? Treibstoffe wie Ultimate Diesel wurden auf jeden Fall nur herausgebracht, um den Kunden das Geld aus den Taschen zu ziehen. Laut ADAC, Autor Motor Sport und auch Auto Bild bringen derartige Produkte keinerlei zusätzlichen Vorteil, sondern kosten nur mehr. Ob Ultimate Dieselkraftstoff, ob der Supertreibstoff Ultimate 100 von Shell: Ohne irgendeine Verbesserung gegenüber anderen Treibstoffen zu haben, bezahlt der Kunde für derartige Produkte gleich bis zu 10 Cent mehr pro Liter.

Der Verbraucher muss derartige Produkte jedoch gar nicht erst kaufen. Er hat mehr Macht, als er denkt. Er muss seine Macht nur erkennen und nutzen.

10 Tipps für den Verbraucher

Tipp 1
Bei hohen Treibstoffpreisen nur kleine Mengen tanken. Wenn der Sprit billig ist, voll tanken.

Tipp 2
Sprit der freien Tankstellen ist genau so gut, aber billiger.

Tipp 3
Deutschlands Sprit kommt aus den gleichen Raffinerien, ob Aral, Shell, freie oder andere - gleicher Sprit, gleiche Qualität aus dem gleichen, großen Tank der Raffinerien.

Tipp 4
Punktesammeln ist nur eine Marketingmasche.

Tipp 5
Spritbewusst fahren.

Tipp 6
Bewusst auf die ohnehin zu teuren Artikel aus dem Tankstellenshop verzichten.

Tipp 7
Zwei hilfreiche Links: clevertanken.de und billigertanken.de

Tipp 8
Treibstoffe wie Ultimate 100 sind nicht besser, sondern nur teurer.

Tipp 9
Markenöle sind im Baumarkt oder SB-Warenhaus um 50 % billiger

Tipp 10
Sich im Voraus erkundigen, an welchen Tankstellen und in welchen Orten (oder gar auch Ländern) das Benzin am billigsten ist. Mögliche Informationsquellen bietet das Internet. Doch auch der ADAC stellt eine sehr gute Informationsquelle dar.