Fröhlich lockt der Schnäppchenpreis ...

von lem

Tchibo: Jede Woche eine neue Welt
Tchibo: Jede Woche eine neue Welt. © kli

Tchibo hat uns schon fest im Griff. Für viele ist es sogar zur Sucht geworden: Was hat Tchibo denn diesmal im Angebot? Petra ist tchibosüchtig. Ihren Stoff holt sich die 33-Jährige jeden Dienstag pünktlich in einer Göttinger Filiale in der Fußgängerzone. Der Auslöser war vor ein paar Jahren die Aktionswoche „Mein Garten grünt so schön“. Von dem elektrisch aufklappbaren Sonnenschirm, bis hin zum Heizstrahler für kühlere Nächte auf dem Balkon, wurden alle Schnäppchen mitgenommen. Seitdem kommt sie von dem Zeug nicht mehr los. Mit leeren Händen verlässt Petra eigentlich nie das Geschäft, denn so günstig wie bei Tchibo findet sie die Schnäppchen bestimmt nirgendwo und für irgendwas oder irgendwen sind die Dinge auch immer zu gebrauchen. Die richtige Gelegenheit für die erstandenen Schnäppchen wird sich schon finden.

Nicht nur Tchibo hat die Feststellung gemacht, dass sich mit Aktionsware mehr Geld, als mit Kaffeebohnen verdienen lässt.

Auch die Kleinen Preise von Plus wollen sich nicht mehr nur mit mageren Renditen aus Lebensmittelverkäufen begnügen, nein, sie setzen auf Größeres. Im aktuellen Angebot hat der Kunde die Auswahl zwischen einer Tischkreissäge, einem Fitnesslaufband und einem Kaminofen. Die Wettbewerber Penny, Lidl, Aldi & Co. stehen dem in nichts nach.

Schnäppchen auf den ersten Blick günstig, können teuer werden
Schnäppchen auf den ersten Blick günstig, können teuer werden. © kli

Doch lohnen sich diese Schnäppchen wirklich? Oder haben die Sonderangebote etwa einen Haken?  Stiftung Warentest hat jetzt die Qualität dieser vermeintlichen Sonderangebote genauer unter die Lupe genommen. Herausgekommen sind dabei teilweise alarmierende Ergebnisse.

Unter dem Druck ihre Erzeugnisse immer billiger als die Konkurrenz anzubieten, haben die Anbieter die wichtigen Qualitätskontrollen zum Teil vernachlässigt.

Die Stiftung Warentest hat bei einigen Sonderangeboten der Discounter giftige Stoffe festgestellt, die sich im Körper anreichern, krebserregend sein können oder sogar das Erbgut schädigen.

Der Kunde hat die Qual der Wahl
Der Kunde hat die Qual der Wahl. © kli

Schadstoffe wie Weichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wurden zum Beispiel in einem Hammerset und Winkelschleifer von Aldi, in Sägen von Lidl und in einem Laufrad für Kinder von Plus gefunden.

Die Quote der schlecht getesteten Aktionswaren lag bei erschreckenden 38 Prozent. Die billigen Aktionswaren erwiesen sich jedoch nicht nur als gesundheitlich gefährlich. Nein, auch technisch warteten sie mit vielen Mängeln auf. Die Leistungen der Geräte waren laut Meinung von Stiftung Warentest durchweg unzureichend. Die Werkzeuge oder Gartengeräte hielten den Testbedingungen selten stand: Ein Gartenhäcksler von Aldi war nach 15 Minuten defekt, eine Elektro-Säbelsäge von Lidl gab ebenfalls nach kurzer Zeit den Geist auf.

In anderen Warenkategorien sah die Bilanz nicht viel besser aus. Bei den von Stiftung Warentest getesteten Staubsaugern waren bis auf zwei Sauger, die mit mittelmäßig abgeschnitten haben, alle sechs geprüften Modelle Fehlkäufe. Einer der getesteten Staubsauger, Clatronic von Plus, saugte nur zehn Prozent des präparierten Schmutzes auf und blies zudem einen guten Teil davon an der anderen Seite wieder heraus. Als nicht empfehlenswert wurde auch ein Fahrrad-Kindersitz von Lidl ausgewiesen.

Stiftung Warentest testet regelmäßig Aktionsware und deckt Schwachstellen auf
Stiftung Warentest testet regelmäßig Aktionsware und deckt Schwachstellen auf. © kli

Unter allen Schnäppchenanbietern schnitt Aldi allerdings mit Abstand am besten ab. Von 20 getesteten Sonderangeboten erwiesen sich zehn als Aldi-Schnäppchen. Gelobt wurden unter anderem zwei Notebooks, ein TFT-Monitor und eine Heimkinoanlage. Beim Hauptkonkurrenten Lidl waren von 14 gekauften Aktionswaren zwei Schnäppchen und insgesamt sechs Fehlkäufe.

Ein noch schlechteres Ergebnis erzielte Plus. Stiftung Warentest konnte kein Schnäppchen empfehlen, fand nur dreimal Mittelmaß, dafür aber sechs Fehlkäufe.

Auffallend ist, dass sich bei Lidl wie bei Plus die Testergebnisse über die Jahre verschlechtert haben. Beide Anbieter hatten bereits in den Vorjahren deutliche Probleme mit der Qualität ihrer Waren.

Stiftung Warentest testet wöchentlich Aktionswaren des Handels und veröffentlicht die Ergebnisse in einem Schnelltest im Internet.

Drum prüfe wer sich ewig bindet!