Politik

Antwort von Stefan Wenzel MdL (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) auf die Fragen in unserem Offenen Brief

Der Franktionsvorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN Stefan Wenzel MdL beantwortete unseren Fragebogen wie folgt:

1. Was verbindet Sie persönlich mit Göttingen und der Göttinger Innenstadt?

Ich lebe seit 25 Jahren in und um Göttingen und ich liebe das weltoffene, tolerante Flair, freundliche Menschen, die historischen Gebäude und die lebendige Kulturszene.

2. Was gefällt Ihnen an Göttingen nicht?

Manchmal könnte der Winter etwas kürzer sein.

3. Wo kaufen Sie ein? Gibt es Geschäfte, in denen Sie Stammkunde sind? Was gefällt Ihnen an diesen Geschäften?

Ich habe viele Geschäfte in der Innenstadt, die ich regelmäßig besuche, besonders Buchhandlungen. Ich nutze gern die eigentümergeführten eher individuell geprägten Geschäfte. Ich bin kein großer Freund der gesichtslosen Läden großer Ketten.

4. Welche Geschäfte sind ihrer Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß? Inwiefern benötigen die Göttinger Innenstadt und ihr Handel eine Veränderung, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben?

Das liegt in erster Linie in der Verantwortung der Inhaber. Wichtig ist aber der regelmäßige Dialog über Chancen und Potentiale. Dazu wäre auch ein Ortsrat in der Innenstadt ein interessantes Forum.

5. Welche Vorteile und Nachteile bietet ein Shopping-Center wie ECE Ihrer Ansicht nach einer Innenstadt wie Göttingen?

Von einem ECE-Center in der Innenstadt würde ich eher Nachteile erwarten, hier insbesondere auch für die eigentümergeführten Läden. Wir wollen den Kommunen stattdessen die Möglichkeit zur Schaffung so genannter BIDs geben. Diese „Business Improvement Districts“ ermöglichen eine engere Kooperation in gewachsenen Quartieren, eine stärkere Einbindung aller Akteure in gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsame Aktionen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf haben die Grünen auch in den Landtag eingebracht. Diese Möglichkeit will ich auch in Göttingen prüfen und mit den Akteuren diskutieren.

6. Was wissen Sie über andere Städte, in deren Innenstädten ECE ein Center gebaut hat?

Erfahrungen aus anderen Städten sind meines Erachtens eher negativ.

7. Wenn Sie das Geld und die Macht hätten, das Stadtbadareal, das Gefängnis und die Staatsanwaltschaft so zu entwickeln, dass es zur Attraktivität der Innenstadt beiträgt, was würden Sie aus allen dreien machen?

In dem Quartier am alten Stadtbad, zudem auch Staatsanwaltschaft und Gefängnis gehören, würde ich gern ein Science Center oder ein Haus der Wissenschaft realisieren. Göttingen braucht einen Ort für die Verknüpfung von Wissenschaftsgeschichte mit spannenden Diskussionen, Foren und Kongressen über Forschung, Entwicklung und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen im dritten Jahrtausend. Göttingen hat wunderbare Sammlungen, die im Keller verstauben oder in Honolulu gezeigt werden. Das kann so nicht bleiben. Hier kann Göttingen international an Ausstrahlung gewinnen.

8. Wo sehen Sie Möglichkeiten der Neuansiedlung von Betrieben in Göttingen?

Mein Schwerpunkt liegt auf Bestandspflege und bei der Unterstützung innovativer Existenzgründungen. Zusätzlich braucht die Region Göttingen aber auch ein Standortmarketing, das weiter kontinuierlich verbessert wird und mit allen wirtschaftlich aktiven Akteuren abgestimmt wird. Der OB muss „seine“ Unternehmen, ihre Märkte und Produkte kennen, ein Gespür für Zukunftsentwicklungen, Chancen und Potentiale haben. Angesichts des zu erwartenden Fachkräftemangels muss die Kooperation zwischen Betrieben, Schulen und Universität verbessert werden. Ziel ist, dass kein Schüler allgemein bildende Schulen ohne Schulabschluss verlässt und die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen deutlich verbessert wird.

9. Wie können künftig Abwanderungen von Betrieben verhindert werden?

Bestandspflege ist ein wichtiger Faktor um Abwanderung zu verhindern. Von großer Bedeutung ist aber auch eine verbesserte Kooperation mit den Hochschulen. Wir müssen die Forschungsabteilungen der Unternehmen halten und neue nach Göttingen ziehen. Dafür haben wir viel Potential. Das gilt es zu nutzen.

10. Wie stellen Sie sich eine Zusammenarbeit mit der Universität vor? Woran liegt es Ihrer Ansicht nach, dass eine solche bisher kaum besteht?

Wir brauchen bessere Netzwerke von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, die regelmäßig kommunizieren, Projekte gemeinsam vorantreiben und Einfluss auf die jeweiligen Entscheidungsträger ausüben – egal ob sie in Hannover, Berlin, Brüssel oder in Institutionen sitzen, die Forschungsförderung betreiben. Der Wettbewerb um die Förderung der Spitzenuniversitäten hat gezeigt, dass unsere südniedersächsischen Netzwerke nur mäßig funktionieren. Andere Regionen sind hier wesentlich schlagkräftiger. Gemeinsam mit der Universität, der Fachhochschule und allen anderen Bildungseinrichtungen will ich das Bewusstsein für die Bedeutung des Bildungssektors schärfen. Dabei ist die Uni der wichtigste Motor.